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 Die Geschichte der Gemeinde Memmingerberg

 

 

 

Im Osten der alten Reichsstadt Memmingen liegt die aufstrebende Gemeinde Memmingerberg, die bis zum Jahre 1800 „Berg“ genannt wurde. Die Geschichte von Berg lässt sich bis ins 6. Jahrhundert zurückverfolgen. Hier hat Mammo gesiedelt, bevor die heutige Stadt Memmingen gegründet worden ist.

Erstmals in einer Urkunde wird Berg genannt, als im Jahre 1130 Irmingard von Gundelfingen dem Kloster Zwiefalten drei Höfe in Berg schenkte. Auch der Ritter Konrad von Lauben hat um diese Zeit einen Hof in Berg besessen. Das älteste noch erhaltene Bauwerk - der heutige Zehentstadel - wurde anstelle einer Wasserburg des Wernher von Berg 1545 errichtet. Die erste Kirche in Berg um 1483 ist dem heiligen Gordianus und Epimachus geweiht und gehörte viele Jahre zur St.-Martins-Kirche in Memmingen.

Aus dem Jahre 1740 wird berichtet, dass 275 Personen aus der Memminger Gegend, darunter auch die Bauernfamilien Gurt und Zettler aus Berg, nach Litauen ausgewandert sind. Wer Rang und Namen in der Reichsstadt Memmingen hatte, baute sich im 18. Jahrhundert sein Landschloss in Berg, mit Blick auf die Stadt. Vier solcher Landsitze der alten Patrizierfamilien von Lupin, von Wachter, von Unold und von Stoll sind noch gut erhalten und zeugen von dieser Zeit. Im Ortsteil Künersberg stellte von 1745 bis 1768 Jakob von Küner seine kostbaren Fayencen her, die heute begehrte Sammelobjekte sind.

Im Jahre 1801 mit dem Frieden von Luneville kommt Memmingerberg, wie auch die Stadt Memmingen, zu Bayern. Unter Napoleon wird die Gemeinde nach der Gemeindeformation selbständig.

In den Jahren 1935 und 1936 wurde der Flugplatz in Memmingerberg gebaut. Grosse landwirtschaftliche Flächen mussten dabei die Landwirte an den Fliegerhorst abgeben. Bereits im März 1937 wurde der Dienst aufgenommen.
 

 

Im Jahre 1938 wurde der Stamm der späteren 3. Gruppe des Kampfgeschwaders 51 „Edelweiss“ gebildet.

Mit der Belegung des Fliegerhorstes wurden für das Personal umfangreiche Wohnungsbauten notwendig. Die Einwohnerzahl von ca. 600 erhöhte sich sprunghaft auf 1.500. Dabei wurde die rein landwirtschaftliche Struktur in Memmingerberg verändert.

Bei Beginn des Frankreichfeldzuges wurden Einsätze, zunächst von Memmingen aus, geflogen, später verlegte man das Geschwader auf verschiedene Flugplätze in Frankreich.

Der erste Grossangriff an einem sonnigen Samstagnachmittag auf den Fliegerhorst erfolgte am 18.03.1944. Das Bombardement dauerte ungefähr 1 ¼ Stunden. Die Brisanzbomben verursachten schwere Schäden. Beim Standesamt in Memmingerberg mussten mit Sterbetag 18.03.1944, 12 Einträge vorgenommen werden. Bis zum 19. März 1944 starben noch 27 Personen, die in das Bombengewitter kamen.

Die Hauptlast der Splitterbomben fiel auf die Gottlob-Müller-Strasse im Fliegerhorst und nordwestlich des Fliegerhorstes. Zahlreiche Bomben fielen auch in den Nachbargemeinden Trunkelsberg, Eisenburg, Amendingen und Steinheim. In den Fliegerhorstrandgemeinden Benningen und Hawangen fielen hunderte der Sprengbomben auf landwirtschaftlichen Grund. Über 800 feindliche Flugzeuge befanden sich nach den Feststellungen der Fliegerhorstkommandantur über dem Raum Memmingen.

Der 2. Grossangriff auf den Fliegerhorst fand am Dienstag, den 18. Juli 1944 statt. In Intervallen ging in breiter Front der Bombenhagel nieder. Es entstanden schwere Verluste an Menschen und Material. Die bis dahin noch verschonten Hallen und Gebäude wurden vernichtet.

Die Totesliste war lang. Im Sterbebuch des Standesamtes Memmingerberg waren am 18. Juli 46 Todesfälle beurkundet. Insgesamt dürften auf Grund dieses Angriffes um die 150 Menschen gestorben sein. Viele Verwundete wurden noch nach Memmingen ins Krankenhaus gebracht, oder starben noch auf dem Weg dorthin. Dieser zweite Grossangriff war deshalb so schwer, weil ohne Vorwarnung der Fliegerhorst aus nur ca. 250 m Höhe von den amerikanischen Bomberverbänden angegriffen wurde. Noch am Abend des 18. Juli fuhren die Lastwagen des Fliegerhorstes Gefallene in die überfüllte Leichenhalle. Für die Soldaten und Beschäftigten des Fliegerhorstes war der 18. Juli ein schlimmer Tag.

Am 20. Juli 1944 erfolgte ein weiterer Angriff auf den Fliegerhorst. Es gab wieder Tote.

Ein weiterer Grossangriff auf Stadt und Fliegerhorst fand am 09.04.1945 statt. In den späten Nachmittagsstunden prasselte ein Bombenregen nieder. Wieder wurde der Angriff in Wellen vorgetragen. Der Schwerpunkt lag in der Oststadt und im Ostviertel. Eingesetzt wurden bei diesen Angriffen Brandbomben, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Überall stiegen Rauchfahnen auf. Nach dem schweren Phosphorbrandbombenangriff standen in Memmingerberg 6 landwirtschaftliche Anwesen in Flammen. Es waren die Bauernhöfe von: Michael Wiblishauser, Georg Geiger, Zettler Jakob, Rabus Matthäus, Rabus Peter und Wassermann Ludwig. Auch das gemeindeeigene Haus, Haus-Nr. 48, brannte. Auch aus der Kirchturmspitze des Dorfes stieg eine senkrechte Rauchfahne hoch. Die Turmspitze brannte zur Hälfte ab.

Die Gemeinde hat sich nach Überwindung der Nachkriegswirren in den letzten 35 Jahren zu einer modernen Stadtrandgemeinde entwickelt. Eine neue Grund- und Hauptschule, Kindergarten, Freizeit- und Sportanlage und eine Turnhalle entstanden, neue Baugebiete wurden erschlossen und Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt. Heute gibt es in Memmingerberg bei einer Einwohnerzahl von 2.796 (1910 waren es 565 Einwohner) noch 11 landwirtschaftliche Betriebe.

Beim Wiederaufbau der Bundeswehr konnte im August 1956 nach grossen Instandsetzungsarbeiten und Neubauten die Flugzeugführerschule „S“ den Platz in Besitz nehmen. Seit über 25 Jahren ist nun das Jagdbombergeschwader 34 „Allgäu“ in der Gemeinde Memmingerberg stationiert. Gemeinde und Fliegerhorst wissen miteinander zu leben.

Seit dem Jahre 1971 haben wir die Verbandsschule mit 24 Klassen im Ort. Nach der Gemeindereform 1978 ist die Gemeinde Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Memmingerberg, mit den Gemeinden Benningen, Holzgünz, Lachen, Trunkelsberg und Ungerhausen. Die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaft ist gut.

Zu der seit vielen Jahren bestehenden Raiffeisenbank gesellte sich noch eine Zweigstelle der Kreis- und Stadtsparkasse Memmingen.

Die Katholiken erhielten im Jahr 1966 ihre eigene Kirche „St. Ambrosius“ mit Pfarrhaus und Gemeindesaal.

Neu erstellt wurde das Evangelische Gemeindehaus. Im Jahre 1983 feierte die Gemeinde den
500-jährigen Geburtstag der St. Gordianus- und Epimachuskirche.

Das kulturelle Leben wird geprägt von zahlreichen Vereinen. Nach der Kirchenchronik haben schon im Jahre 1748 Blechmusiker ihre Weisen in der Kirche erklingen lassen. Die Musikkapelle, die Chorgemeinschaft, der Gartenbauverein, der Schützenverein, der Sport- und auch der gut ausgerüstete Feuerwehrverein erfreuen sich grosser Beliebtheit.

Vom neu errichteten Bauhof aus unterhält die Gemeinde die örtlichen Einrichtungen der Daseinsvorsorge.

Ein viergruppiger Kindergarten wird für die Erziehung des Nachwuchses vorgehalten.

Auf dem Wertstoffhof können sich die Bürger ihres verwertbaren Mülls entsorgen.

Zum 31. Dezember 2003 wird der Fliegerhorst Memmingerberg geschlossen. Eine grosse Aufgabe, die Konversion des militärischen Areals, steht der Gemeinde Memmingerberg und den Nachbargemeinden ins Haus. Dazu trat die Gemeinde Memmingerberg in den Zweckverband „Konversion Fliegerhorst Memmingerberg“ ein. Eine sinnvolle zivile Nachfolgenutzung der militärischen Flächen und Anlagen wird angestrebt.

 

 

 

 

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